Seit 325 Jahren Familienbesitz

(PWS) Viele der alten Gasthäuser in Michelstadt sind nur noch dem Namen nach bekannt: „Sonne“, „Schwarzer Adler“, „Traube“, „Amsel“, „Lamm“, „Hirsch“. Die  „Drei Hasen“ und der „Grüne Baum“ sind die beiden Gastwirtschaften, die bis zum heutigen Tag übrig geblieben sind. Es sind zudem auch die ältesten. Das Gasthaus „Zum Grünen Baum“ kann im Jahr 2010 auf eine stolze 325-jährige Geschichte zurückblicken.

Der Gründer und Stammvater Christoph Ensinger (1644 – 1702) wird erstmals anlässlich seiner Heirat im Jahr 1667 im Michelstädter Kirchenbuch genannt. Er stammt aus Marienkirch in der Grafschaft Rappoldstein im Elsaß und wohnte, bevor er in Michelstadt die Katharina Haag heiratete, in Wald-Michelbach, wo der Vater in einem Bergbaubetrieb tätig war. So kam es, dass auch der Sohn diesem Gewerbe nachging und auf dem „Unteren Hammer“ arbeitete.

Christoph Ensinger wurde am 9. Mai 1672 Michelstädter Bürger. Das Stadtgerichtsprotokoll vom 5. März 1685 berichtet: „Christoph Ensinger erkauft eine Behausung in der Vorstadt sampt dem daran liegenden Hauß-Platz“. Diese Behausung mit Hausplatz liegt vor dem Unteren Tor zu Michelstadt. Wenig später vermerkt das Protokollbuch: „Christoph Ensinger erbauth eine neue Scheuer hinter seinem neu erbauthen Haus“. Aus diesem Eintrag ist zu ersehen, dass das Wohnhaus in der heutigen Großen Gasse 17 im Jahr 1685 bereits erbaut war. Mit diesem Kauf ist der Grundstein für die 325-jährige Geschichte des Gasthauses „Zum Grünen Baum“ gelegt. Im Kirchenbuch von Michelstadt befindet sich folgender Eintrag: „Anno 1702 den 1. August ist Herr Johann Christoph Ensinger, Gerichtsbürger und Gastgeber alhier begraben worden, seines Alters 58 Jahr.“ Aus dieser Urkunde ist zu ersehen, dass das Gasthaus zu dieser Zeit schon bestanden hat.

Nach dem Tod von Christoph Ensinger übernahm 1726 der Bierbrauer und Wirt Eberhard Ensinger (1673 – 1726) den „Grünen Baum“. 

1726 ging das Gasthaus an den Bruder des verstorbenen Wirts über. Es ist Theodor Christoph Ensinger. 

1751 wird der Bierbrauer und Wirt Johann Christoph Ensinger als Inhaber des „Grünen Baums“ erwähnt.

1792 übernahm der Bierbrauer und Wirt Michael Ensinger (1763 – 1847) das Haus.

1802 erfolgte der Um- und Ausbau des Gasthauses, dabei wurde die Torhalle errichtet.

1831 trat Friedrich August Ensinger (1802 – 1868), Bierbrauer und Wirt, die Nachfolge von Johann Michael Ensinger an. 

1872 wurde der Bierbrauer und Wirt Friedrich Jakob Ludwig Ensinger (1836 – 1900) neuer Inhaber. 

Ihm folgte 1909 Friedrich Heinrich Ensinger (1881 – 1920). Er legte die Brauerei still. Damit fand eine Familientradition von über 200 Jahren ihr Ende, die mit Christoph Ensinger nach dem Dreißigjährigen Krieg begann. 

Mit dem beginnenden Fremdenverkehr übernahm das alte Gasthaus eine neue Aufgabe, indem es den Gästen der Stadt eine Übernachtungsmöglichkeit bot.

Friedrich Heinrich Ensinger war verheiratet mit Babette geborene Mark. Da die Ehe kinderlos blieb, ging das gesamte Anwesen 1941, nach dem Tod von Babette Ensinger, an die Familie Mark in Hainstadt über. 

Die sieben Generationen Ensinger haben zweifelsohne dem „Grünen Baum“ in seiner Grundsubstanz sein heutiges Gesicht gegeben. 

1945 übernahm die in Düsseldorf ausgebombte Margarete Barny mit Unterstützung ihres Vaters im Pachtverhältnis das Gasthaus. 

1964 übernahm Margarete Dingeldein nach ihrer Volljährigkeit das Erbe ihrer Großtante Babette Ensinger geborene Mark. Sie verheiratete sich mit Fritz Dingeldein aus Michelstadt. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor.

Sie begann nach der Übernahme mit einer grundlegenden Sanierung der Liegenschaften. 1977 wurde die Außenfassade verändert: Die Verschindelung wurde entfernt und das Fachwerk freigelegt. 1979 wurde die Torhalle als Gastraum ausgebaut. 1980 folgten weitere Neugestaltungen. 1987 wurden in dem historischen Braukeller Gasträume eingerichtet. 

Im Jahr 2002 übergab Margarete Dingeldein den „Grünen Baum“ an ihre Tochter Barbara. Getreu ihrem Leitmotiv „Auch in einem historischen Haus bleibt die Zeit nicht stehen“ begann die neue Inhaberin den gesamten Komplex nach und nach zu erneuern. So wurde der Saal im Obergeschoss des Gasthauses neu gestaltet. Ein Biergarten mit 150 Sitzplätzen wurde, mit Blick auf die Stadtmauer, angelegt. In diesem Zusammenhang wurde auch der Parkplatz befestigt und 2006/2007 eine für Gäste kostenlose Parkraumbewirtschaftung eingeführt. Nach Erwerb des Nachbarhauses erfolgte eine Neugestaltung des Anwesens. Das Hinterhaus dient seit 2008 zur Unterbringung einer neuen Küche. Im Straßenbereich des gekauften Nachbarhauses wurde 2008 das Café „Atelier“ eingerichtet. Die Fremdenzimmer werden im Jubiläumsjahr 2010 grundlegend erneuert.

2011 wird das Anwesen „Bienentor“, direkt an der historischen Stadtmauer und am Biergarten gelegen, erworben, vollständig saniert und mit 7 Komfort Gästezimmern ausgestattet.

Im Auszug aus dem Stadtgerichtsprotokoll vom 5. März 1685 ist zu lesen, dass Christoph Ensinger das Anwesen erwirbt, auf dem heute das Gasthaus „Zum Grünen Baum“ steht.

Das war vor mehr als 325 Jahren. Eine stolze Geschichte.

Aktuelles „Zum Grünen Baum“ finden Sie im Buch „Hessische Weiberwirtschaften“ von Barbara Goerlich.

„Zum Grünen Baum“: Einblicke

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